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Ein vor sechs Jahren für uns übersetztes Gespräch mit der Zeitschrift "Carajo" des "Ringes chilenischer Journalisten", Januar 2003:

Miguel Serrano: Chile ist ein magisches Land


Von Sergio Ojeda und Francisco Véjar

Der chilenische Schriftsteller Miguel Serrano (geb. 1917), beunruhigend, tiefgründig, provozierend, mit über ein Dutzend veröffentlichter Bücher, die in die verschiedensten Sprachen übersetzt worden sind, überläßt uns einige berührenden Spuren seines Werkes. Bücher wie "Elella" (Ersie), "El Círculo Hermético" (Der hermetische Kreis) oder "El Eterno Retorno" (Die ewige Wiederkehr), in den Siebzigern veröffentlicht, berichten nicht nur von seiner esoterischen Weltanschauung, sondern auch von seiner engen Freundschaft zu so hervorragenden Autoren wie Hermann Hesse oder Carl Gustav Jung, mit denen er zeitlebens eine häufige Korrespondenz unterhielt.

Carajo - Nach Ihrem Standpunkt könnte die gegenwärtige Epoche mit zwei Worten definiert werden: Kali Yuga, d.h. Zeiten großer Dunkelheit, Krise in allen Bereichen des Lebens. Gibt es eine Rettungsluke, einen Ausgang?

MS - Nein, es gibt sie nicht. Außerdem beschleunigt sich die Zeit, wie Sie jeden Tag feststellen können - heute ist Montag und morgen schon wird es Samstag sein. Es gibt eine Beschleunigung der Zeit, die dem Ende einer Ära, eines Zyklus entspricht. Das ist bei Kali Yuga der Fall, ein Begriff, der vom Sanskrit und von der Göttin Kali herkommt, der Göttin der Zerstörung. Es ist die Zeit, in der fast alle Traditionen, Organisationen vernichtet werden, was wir in Chile gerade erleben.

C - Was wäre für Sie das Schlimmste dieser Zerstörung?

MS - Das Schlimmste ist die Zerstörung der Katholischen Kirche, die ich schon an ihrem Ende vermute - und nicht wegen der Pädophilen, die es darin immer gegeben hat. Aber wie wir heute in der Presse lesen können, selbst die Rabbis behaupten, daß weder Abraham noch Moses je existiert hätten, daß es nie eine Gefangenschaft in Ägypten gab, daß die Israeliten, die geflüchtet sind und das Rote Meer überquerten, keine Israeliten waren... Und das Salomon und David keine Könige waren, sondern Gärtner, die einen kleinen Gemüsegarten hatten.

C - Mit welcher Grundlage wird das behauptet?

MS - Gemäß den Rabbinern, haben die archäologischen Forschungen ergeben, daß dies alles niemals existiert hat; es hat nicht einmal ein Königreich Israel gegeben. Wenn sie das verneinen, so haben sie keinen so großen Schaden wie jene, die zweitausend Jahre lang ihren ganzen Glauben in die Existenz der Bibel zentriert haben. In diesem Fall haben sie sich zweitausend Jahre Religion und Geschichte auf eine Lüge aufgebaut. Welche Möglichkeit hat also die Kirche zu überleben? Sie hätte sie nur wenn in ihrem Innern ein Geheimnis vorhanden wäre, und - man verzeihe die Redundanz - ein esoterisches Geheimnis, das man entwickeln könnte, aber es gibt keines; es gibt ihn wohl im Islam, der auch eine monotheistische Religion ist. Im Islam gibt es einen sehr geheimen Esoterismus, den des Schwarzen Steins, der Schwarzen Sonne, die mit den Kräften des Westens in den Jahren zwischen 1930 und '45 Verbindung aufnahm. Man könnte von einem Esoterismus der Schwarzen Sonne sprechen, das gibt es, und das ist in der Kaaba, die der Schwarze Stein ist. Ich will damit sagen, daß die große Krise alle Nationen umfaßt, auf denen das Abendland aufgebaut wurde.

C - Nach dieser Periode großer Dunkelheit: würde es eine Wiedergeburt geben?

MS - Es kommt ein neues Goldenes Zeitalter, aber nach einer langen Zeit. Doch es gibt Regionen in der Welt, die sich vor den Katastrophen retten können, eine davon liegt am 40 Breitengrad südlich, das chilenische Patagonien, daher sehen wir jetzt wie Rockefeller, Soros, Benetton, Bill Gates und sogar Don Francisco wie sie über Tompkins als Strohmann Land kaufen im Süden Chiles. Denn am 40 Breitengrad gibt es eine Möglichkeit, die bis zur Antarktis reicht, die das alte, verschwundene Atlantis ist und unter dem Eis liegt und nach der Katastrophe wiedererscheinen wird.

C - Irgendwann haben Sie gesagt, daß sich in unserem Territorium der Sitz des Geistes einer Neuen Welt befindet. Gibt es einen Ort, wo man sich vor dem Fall der Westlichen Welt schützen könnte?

MS - Ja, ich suche ihn schon lange - über 30 Jahre. Ich glaube, daß wir zumindest einen Teil gerettet haben, den Berg Melimoyu. Der Melimoyu ist das Gegenstück zum Berg Kailas in Indien. Dort habe ich immer gedacht, daß man etwas Wichtiges schaffen könnte, und merkwürdigerweise hat Pinochet die Kolonisierung des Melimoyu, begonnen; er machte es auf absurde Weise, indem er die Siedler verschuldete, was Ibañez niemals gemacht hat, als er Aysén schuf, daher ist diese Besiedlung eingegangen, obwohl es heute ein Dorf gibt.

C - Was macht beim Zusammenbruch der westlichen Vernunft der einfache Bürger, der diese Phänomene nicht versteht? Oder ist er nur Kanonenfutter, die einfach dem Verschwinden anheimfällt?

MS - Leider ist es so. Denn es gibt nur eine Minderheit, die für ein Ideal weiterkämpft, und sie wird in die andere Welt hinübergehen. Diese Minderheit kämpft um die Rettung des Seele der Erde, denn wenn die Erde vernichtet wird, muß ihre Seele gerettet werden. Doch Sie sehen ja, daß im Falle Chiles fast alles zerstört ist. Das alles wird von irgendwoher gemacht; es werden wohl Maschinen vorhanden sein, die die Leute zu verblöden suchen, um sie hypnotisiert zu halten und handeln lassen, wie sie es wollen. Es werden nur wenige sein, die sich von dieser enormen Beherrschung freihalten werden, die eine Diktatur mit dem Schein der Demokratie ausübt: Die zentrale Weltregierung. Um die Sache noch zu verschlimmern, hat Chile jetzt einen Freihandelsvertrag mit den Vereinigten Staaten geschlossen. Größter Irrtum und höchste Narrheit, da es zwischen einem Zwerg und einem Giganten niemals eine Vereinbarung geben kann. Ich erinnere mich, daß bei meinem vorletzten Gespräch mit dem Dalai Lama, in Neu Delhi, bei der Totenfeier für Indira Gandhi, er mit mir unter vier Augen sprechen wollte und mich nach meiner Meinung über einen Vorschlag der chinesischen Regierung fragte, die eine Vereinbarung wollte. Ich sagte ihm, daß er ihn nicht annehmen konnte, denn man würde ihn verschwinden lassen wie den Panchen Lama, von dem man nie wieder hörte: "Ihre Heiligkeit ist nicht in der Lage von gleich zu gleich eine Vereinbarung zu treffen mit einer großen Macht wie China". Das Gleiche wird mit Chile geschehen, insbesondere in einem Augenblick, da ein unvermeidbarer Krieg kommt, in dem man Chile verpflichten wird, mit Truppen seines Heeres zur Teilnahme an einem verbrecherischen und mörderischen Krieg teilzunehmen. Daher ist der Freihandelsvertrag ein Verbrechen. Außerdem verliert Chile seine Identität, überschwemmt mit McDonald's und Hot dogs. Außerdem gibt es unsere Sprache nicht mehr und wird am Ende ersetzt werden vom Chat und dem Yankee-Kauderwelsch.


C - Ist das die Weltdiktatur, in der wir alle gezeichnet sind?

MS - Die 666, die in allen Codes der Lebensmittel, der Getränke ist und demnächst auch im Personalausweis. Und das steht in der Apokalypse seit zweitausend Jahren: Wenn das Ende der Zeiten kommt, wird die Zahl des Tieres 666 sein, niemand wird kaufen oder verkaufen können, wenn er sie nicht auf der Stirne trägt. Ein anderes Beispiel ist, daß es das Papiergeld fast nicht mehr gibt, jetzt herrscht das Plastikgeld, und dieses wird demnächst ersetzt werden durch eine Marke am Arm, die Sie an einem Laser vorbeistreifen werden, damit der Code 666 gelesen wird. Es ist wichtig, diese Dinge heute zu sagen, damit die Menschen sie merken.

C - Ist der Fall der Zwillingstürme ein Symbol für den Fall des Westens?

MS - Das haben sie selber gemacht; es gibt eine Person namens Israel Shamir, die alle diese Dinge sagt, das sagt David Cole. Man sagt, das mit den Türmen ist Fälschung, das wurde von ihnen selbst vorbereitet. Woher sollten die Araber fähig sein, Flugzeuge auf diese Weise gegen die Türme platzen zu lassen? Das wurde mit hohen Kosten inszeniert, um eine Weltregierung gegen die Terroristen einzurichten, gegen diese Figur, die der CIA angehörte, Usama Bin Laden, die es vielleicht gar nicht gibt.

C - Als Sie in die Antarktis reisten, waren Sie auch auf der Suche nach dem Weddell-Meer; wenn Sie jetzt zum Melimoyu wandern, glauben Sie den Übergang zur anderen Welt finden zu können und Kontakt zu den Wesen zu finden, die uns besuchen?

MS - Ich glaube schon, denn es ist eine Tatsache, daß es diese Dinge gibt. Als ich in der Schweiz war, hat mir deren Armee Informationen über die "Fliegenden Untertassen" zukommen lassen, die sie von der deutschen Wehrmacht erhalten hatten. All dies gibt es wirklich. Wenn etwas entdeckt wird, müssen die Vereinigten Staaten sofort benachrichtigt werden. Diese Art Information steht weltweit unter absoluter Kontrolle.

C - Auf das Literarische eingehend, haben Sie soeben "Las Visitas de la Reina de Saba", mit dem Vorwort von Jung, wieder aufgelegt, wo Sie sagen, daß sich Ihr Unbewußtes poetisch manifestiert, was auch Jorge Teillier behauptete. Was können Sie uns darüber sagen?

MS - Also: Jung war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Was ist die Reina de Saba ("Königin von Saba")? Es ist das Ewigweibliche, und wenn es erscheint bleibt man übel zugerichtet zurück, wie es selbst Jung erging. Er sagte mir: Wenn Sie der Königin von Saba begegnen, begehen Sie nicht den Fehler, sie zu heiraten, denn sie ist für die Liebe da, nicht für die Ehe, und die Liebe muß man in einem Likörglas trinken. Außerdem: Können Sie sich die Königin von Saba vorstellen, wie sie sich um die Zahlung der Strom- oder Gasrechnung, um die Windeln kümmert?

C - Mit Unterstützung der Historikerin Sabela P. Quintela wird jetzt die Korrespondenz gesammelt, die Sie mit großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts unterhalten haben. Wird dieses Material demnächst veröffentlicht?

MS - Es liegen um die 60 handgeschriebene Briefe der Indira Gandhi vor, die die Geschichte Indiens beinhalten, aber auch Briefe von Nehru, Aldous Huxley, Henry Miller usw. Sabela versucht die Veröffentlichung, vielleicht bei Editorial Universitaria.

C - Wie ergaben sich diese Freundschaften?

MS - Das Schicksal führte mich zu Professor Jung. Zuerst war es Hermann Hesse; ich wohnte zehn Jahre in seinem alten Haus. Er war schon verstorben, als ich dorthin kam; seine Kinder schenkten mir seine Bibliothek, das alles verlor sich in der Schweiz. Jetzt ist das Haus ein Museum. Dieses ganze Abenteuer habe ich in "El Círculo Hermético" erzählt. Jung habe ich kennengelernt, weil ich einen Artikel für eine internationale Tagung über Religion geschrieben hatte und von der Notwendigkeit sprach, das Ich zu kreuzigen. Das schrieb ich an Professor Jung, und er sagte, im Gegenteil, man müssen das Ich stärken, um zum absoluten Ich des Menschen zu gelangen. So dachte ich daran, ihn aufzusuchen, was ich einer außergewöhnliche Frau verdanke: der Schauspielerin Jennifer Jones. Sie war eine wertvolle Frau, die den Film "Adiós a las armas" drehte; sie war sehr schön. Sie machte eine Psychoanalyse nach der Jungschen Schule mit. Ich besuchte sie und sie sagte: Du mußt Professor Jung kennenlernen. Sie war mit einer Schülerin Jungs bekannt: Yolanda Jacobi, und ihr schickte ich ein Telegramm. Sie antwortete, daß Professor Jung in Locarno sei. Ich fuhr hin, und er empfing mich. Wir unterhielten uns über eine Stunde über Indien, und ich übergab ihm die ins Englische übersetze Manuskripte von "Las Visitas de la Reina de Saba" und dachte dabei, sie nie wiederzusehen. Als ich nach Zürich zurückkam, war er dort. Ich meinte, daß ich ihn eine Fragen stellen sollte, rief seine Sekretärin an, und sie sagte mir, daß der Professor den Tee mit mir nehmen wollte. Er sagte: Ich habe Ihr Buch gelesen, Sie liegen richtig. Dann schickte ich ihm den Rest, und er schrieb mir einen Brief, in dem er sagte: "Es ist ein Traum innerhalb eines anderen Traums, es erscheinen klare archetypische Gestalten, denen in meinen Analysen und Untersuchungen zu begegnen mir gegeben war, die aber hier kurioserweise nicht das Produkt des Unbewußten sind." Darauf sagte ich ihm: Wenn die archetypischen Figuren kein Produkt des Unbewußten sind, was sind sie dann? Sind sie das Überbewußtsein? Sind sie die Götter des Altertums? Ich bat um diesen Brief als Vorwort, und er antwortete, daß er sich geehrt fühlte. Er hatte noch nie ein Vorwort für ein rein literarisches Werk geliefert. Er hatte dies für "Das tibetanische Totenbuch" und ein anderes chinesische Buch über den Taoismus getan. Aber er tat es für mich, einen unbekannten Schriftsteller vom Ende der Welt. Dem wird in Chile keinerlei Bedeutung zugemessen!

C - Da wir uns gerade erinnern: der Dichter Jorge Teillier hatte eine große Empathie Ihrem Werk gegenüber; sie kamen zwei- oder dreimal zusammen, nicht wahr?

MS - Wegen dieser Dinge glaubt man an die Wiedergeburt, denn, wie ich sage, warum diese Zuneigung zu Teillier, der mich so sehr beeindruckte, als ich ihn kennenlernte, obwohl ich ihn so selten sah. Dasselbe ist mir passiert mit Juan Luis Martínez.

C - Anscheinend ist die Geschichte der chilenischen Literatur mit vier oder fünf Persönlichkeiten verbunden, die mit der Dichtung zu tun haben: Parra, Neruda, Huidobro, la Mistral. Wie sehen Sie das?

MS - Nun, das sind die etablierten Dichter, aber es gibt andere, die so groß sind wie sie, aber unbekannt, wie Omar Cáceres: wer weiß, das es ihn gegeben hat? Dasselbe bei Juan Guzmán Cruchaga, oder selbst Pedro Prado, Augusto D´Halmar und Pablo de Rokha, der in zweiter Reihe kommt. Schriftsteller, die schon gestorben sind und - nichts zu machen. So sterben die Leute in Chile. Wie die Alten sagten: "Was den Tod der Helden verhindert ist die Erinnerung der anderen, deshalb gibt es die Steine und dir Runen".

C - Wie ist Chile?

MS - Chile ist ein Land, das sich trotz allem retten wird, denn es ist magisches Land. Ein Land, in dem einst Giganten lebten. Die Araukaner wußten von diesen Dingen, die Machis, die alle in den Krieg zogen und den Frauen die Bürde der Tradition überließen; deshalb sind sie jetzt "die Machis". Und weil es ein Land war, das von der Natur lebte und sie liebte, bauten sie keine Städte, denn sie lebten in der Natur. Das ist ein anderes Problem, daß jetzt aufkommt: die Frage der Mapuche [-Indianer]; Sie werden sehen, man wird Chile teilen, es wird bis Bio-Bio reichen, denn auch das wird von Ausländern betrieben, schließlich ist das Mapuche-Volk vermischt; also welche Diskriminierung kann es da geben? Chile ist ein magisches Land und eine Minderheit kann sich vom Druck und, vor allem, vom Pluralismus und von der Globalisierung befreien. Diese Minderheit wird sich in den Ländern des Südens retten, das Ende der Kali Yuga abwartend, deshalb ist mein Pessimismus optimistisch. Diese Zyklen erfüllen sich durch die Ewige Wiederkehr, die etwas Mechanisches ist. Sie müssen sich erfüllen, wie Nietzsche sagte: Die Zeit ist unendlich und die Energie ist beschränkt; nach einer gewissen Zeit wird man denselben Punkt wieder passieren; aber es gibt auch die Möglichkeit, davor zu fliehen, herauszukommen, denn irgendwo können Welten existieren, die von keinem Gesetz von Ursache und Wirkung gelenkt werden - oder von keinem Gesetz überhaupt.